Systemvergleich: Terminal Services (TS) vs. Virtual Desktop Infrastructure (VDI)
Virtualisierung macht Sinn. Doch die entscheidende Frage lautet: Für welche Technologie soll sich ein Unternehmen entscheiden? Aktuell bemühen sich zwei Ansätze um die Beantwortung dieser Frage: Virtual Desktop Infrastructure (VDI) und Terminalserver-Technik (TS). In einer VDI-Umgebung erhält jeder Anwender "seinen eigenen" Desktop. Dieser enthält ein voll funktionsfähiges Betriebssystem und alle benötigten Anwendungen. TS hingegen basiert auf einer einzigen, server-seitigen Betriebssystem-Installation, über die Anwendungen in Form von Sessions veröffentlicht werden.
Sowohl VDI als auch TS bringen spezifische Vor- und Nachteile mit sich. So liegt der Hauptvorteil der Terminal Services in der komfortablen und einfach skalierbaren Nutzung von Standardanwendungen. Moderne TS-Lösungen entkräften Argumente, die Unternehmen bisher von dieser Technik abgehalten haben. So müssen Anwender heutzutage weder auf einen personalisierten Desktop verzichten, noch Anwendungen mit anderen Usern teilen, was eine Individualisierung der Applikationen verhindern würde. Für die IT-Abteilung hingegen zählt in erster Linie der im Vergleich zu einer klassischen Client-Server-Struktur geringe Administrationsaufwand – gerade bei mittleren bis hohen Userzahlen. Damit argumentieren zwar auch die Hersteller von VDI-Lösungen. Tatsächlich wird die Administration virtueller Desktops mit steigender Anzahl komplexer und aufwändiger. Im Gegenzug bietet die VDI-Technik Vorteile, wenn es um die Abgrenzung kritischer Anwendungen geht. Eventuelle Kollisionen oder kritische Speicherauslastungen erfolgen hier stets nur innerhalb der virtuellen Maschine und nehmen damit keinen Einfluss auf Stabilität und Integrität anderer Desktops. Im TS-Umfeld kann nur ein intelligentes Anwendungs-Management entsprechende Probleme verhindern.
Auf jeden Fall beachten: Die Kompatibilität zu Anwendungen
Obwohl SBC und VDI sehr ähnliche Strategien verfolgen, driften die Kosten für Erstanschaffung und Betrieb auseinander. Ein großer Teil der Implementierungskosten entfällt auf die Server-Hardware. Hier erfordert die Desktop-Virtualisierung – insbesondere bei einer großen Anzahl an Desktops – eine deutlich höhere Rechenleistung als die Verteilung von Anwendungen über die Terminalserver-Technik. Zudem erfordern die virtuellen Desktops eine vergleichsweise hohe Speicherkapazität, da jede virtuelle Maschine ein vollwertiges Betriebssystem inklusive aller lokal installierten Anwendungen beinhaltet. Eine Trennung von Betriebssystem und Anwendungen ist zwar möglich, erhöht jedoch den Verwaltungsaufwand signifikant. Denn auch die viel zitierten Heilsbringer Thin Provisioning und Deduplication können hier oft nur unzureichend Abhilfe leisten. So trennt Thin Provisioning ein unveränderbares Master-Image des Desktops von den individuellen Änderungen (Delta-Files) des Users und führt diese bei jedem Abruf des Desktops dynamisch wieder zusammen. Doch was nützt das, wenn die Delta-Files innerhalb kürzester Zeit stark anwachsen? Dagegen hilft nur, keine Änderungen am virtuellen Desktop zuzulassen, was jedoch andererseits die Produktivität der Anwender nachhaltig einschränken könnte. Eine zufriedenstellende Lösung für dieses Dilemma ist bisher noch nicht wirklich in Sicht. Bis dahin muss mit ausreichend hohen Budgets für entsprechenden Storage kalkuliert werden. Bei den Terminal Services hingegen teilen sich viele Sessions ein zugrunde liegendes Betriebssystem. Dies senkt die Beschaffungskosten der Server-Hardware, der gemeinsam genutzte Festplattenspeicher kann kleiner dimensioniert werden, da alle User auf denselben Datenbestand und dieselben Applikationen zurückgreifen.
Einen sehr lesenwerten Artikel zu diesem Thema finden Sie unter Auch virtuelle Desktops kosten reales Geld (LANline).
Kostenfalle Lizenzierung
Ein weiterer Kostenblock entsteht durch die Lizenzierung der Betriebsysteme und erforderlicher Zusatzprogramme. Im Terminalserver-Bereich fallen für jeden Server Kosten für das Betriebssystem an. In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei um Microsoft Windows Server 2003 oder 2008. Zusätzlich muss pro Nutzer und Gerät eine Terminalserver-Zugriffslizenz (TS CAL bzw. RDS CAL) einmalig erworben werden. Etwaige Zusatzprogramme, etwa zur unternehmensweiten Verteilung von Anwendungen oder zur komfortablen Druckersteuerung, sind in der Kalkulation ebenfalls zu berücksichtigen. Die Lizenzierung einer VDI-Umgebung gestaltet sich grundlegend anders. So ist für jeden virtuellen Desktop ein vollwertiges Windows Vista oder Windows XP Betriebssystem erforderlich. Serverseitig müssen Unternehmen die Software zum Erstellen und Verwalten der virtuellen Maschinen (Hypervisor) anschaffen. Die Lizenzierung erfolgt hierbei meist pro CPU-Sockel oder System, unabhängig von der Anzahl der Kerne. Für den Zugriff auf virtuelle Desktops ist auf den Endgeräten zudem eine Remote-Client-Software erforderlich, die wiederum für jeden Arbeitsplatz lizenziert werden muss. Microsoft regelt den Zugriff auf virtuelle Desktops über ein Lizenzmodell namens Virtual Enterprise Centralized Desktop (VECD). Hierbei fallen für jedes Endgerät, das Zugriff auf ein VDI-Image benötigt, eine Jahreslizenzgebühr an. Deren Höhe richtet sich nach dem Betriebssystem, das auf dem Endgerät zum Einsatz kommt: Verfügt der VDI-Client über ein Microsoft Betriebssystem inkl. Software Assurance(!), liegen die Kosten bei 23$ p.a., für den Fall, dass keine Software Assurance vorhanden ist oder ein anderes Betriebssystem zu Einsatz kommt, liegen die Kosten bei 110$, wohlgemerkt: Pro Jahr!
Detaillierte Informationen zu VECD finden Sie in dem Artikel VECD-Lizenzierung durchleuchtet und bei Microsoft selbst.
Weitere Informationen zum Thema VDI vs. Terminal Services finden Sie unter SearchDataCenter.de